Heute ist der Jahrestag von mehreren Ereignissen. In meinem Bekannten- und Freundeskreis haben heute gleich mehrere Menschen Geburtstag. Herzliche Gratulation!
Aber es gibt noch zwei andere Jubiläen, auf die ich eingehen möchte. Heute jährt sich auf den Tag genau zum 25. Mal die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Eigentlich wäre die verheerende Explosion - die im Jahr 1986 in der ehemaligen Sowjetunion rund 130 Kilometer nördlich von Minsk geschah - schon längst unter "Geschichte" abgestempelt und über die strahlenden Folgen dieses Kernkraftwerk-Unfalls Gras gewachsen.
Die Katastrophe im japanischen Fukushima hat die Gefahren der Atomkraft wieder in unsere Köpfe zurückgebracht. Viele stellen sich wieder aktuell die Frage, welches strahlende Erbe Tschernobyl hinterlassen hat. Wo schlägt der Geigerzähler besonders stark aus? Wo hält eine erhöhte Strahlung stärker in unserem Alltag Einzug, als wir überhaupt davon wissen?
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| Sonnenuntergang im 130 Kilometer von Tschernobyl entfernten Minsk |
Fragen, die aktuell wieder beschäftigen und auf die es keine befriedigenden Antworten gibt. Selbstversuche mit Geigerzählern sind ohne fundiertes Wissen zum Scheitern verurteilt. Die Fehlinterpretationen der Messergebnisse können mehr Verunsicherung bringen, als sie nützen. Während Behörden gerne beschwichtigen und vertuschen nutzen andere die Situation um überzogene Horrorszenarien auszumalen. Liegt die Wahrheit in der Mitte?
Es gibt keine allgemein gültige Wahrheit. Jedes Individuum reagiert auf Strahlung unterschiedlich. Junge Menschen sind wegen der höheren Zellteilung stärker gefährdet als ältere Menschen. Tiere und Pflanzen reagieren wiederum anders. Bei Schaben ist bekannt, dass sie ein Vielfaches der für Menschen tödlichen Strahlendosis verkraften.
In den letzten Wochen war viel über die atomaren Gefahren, aber auch über Langzeitfolgen durch Tschernobyl zu lesen. Durch Fukushima haben wir so manche Dokumentation früher als geplant zu sehen bekommen. Die 30-Kilometer-Sperrzone rund um den zerstörten Reaktorblock zeigt eine fremde Welt. Verlassen und verwachsen. Und dennoch gibt es dort Leben.
Aktuell wird gerne eine alte, einsame Bewohnerin der Sperrzone in den Medien gezeigt - sie wurde von einem Rudel Journalisten besucht, die nun alle die gleichen Bilder in der Welt verteilen. Vor wenigen Wochen zeigte "Universum" eine Dokumentation über ein andere Rudel, nämlich von Wölfen, und wie sie mit anderen Tieren in der Wildnis rund um Tschernobyl leben.
Vermutlich werden wir die gleichen Bilder von einem verwilderten Sperrgebiet dann in 25 Jahren auch von Fukushima vorgesetzt bekommen. Bilder, die ein gewisses Maß an Normalität zeigen. Die immer gleichen Horror-Bild-Einstellungen aus Tschernobyl haben sich bei den Mediennutzern bereits abgewetzt: Eine russische Gasmaske neben einer Puppe, das Riesenrad von Pripyat, das leere Schwimmbad, eine menschenleere Plattenbausiedlung und nicht zu vergessen der Sarkophag des explodierten Reaktorblocks. Diese Bilder werden seit 25 Jahren ständig wiedergekaut und als Mahnmal einer toten Geisterstadt in den Köpfen lebendig gehalten.
Strahlung ist unsichtbar - und je nach Exposition und körperlicher Konstitution werden die Auswirkungen erst Jahre oder Jahrzehnte später sichtbar. Darum kann eine gezeigte Normalität in den Medien nur eine Schein-Normalität sein. Es gibt Menschen, denen die Strahlendosis, der sie ausgesetzt sind, nichts anhat. Aber es gibt auch viele Menschen, die langsam und qualvoll daran zugrundegehen.
Eigentlich wollte ich mich in diesem Thema nun gar nicht so sehr verbreitern - die Medien sind ohnehin voll davon. Aber scheinbar musste es mal sein...
Ich wollte Euch auch noch von einem erfreulichen Ereignis an diesem Tag berichten. Das habe ich nun bis zum Schluß aufgehoben: Der Balkonreport wird heute zwei Jahre alt :-)
HAPPY BIRTHDAY!


2 Kommentare:
Lieber Gerry! Herzliche Gratulation zu Deinem 2. Geburtstag! Heute gab es auch in orf.online wieder einen ausführlichen Bericht über die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl - echt schlimm. Allerdings dominierten in Graz heute eher die Nachrichten über einen neuerlichen Bombenfund am Gelände des Hauptbahnhofes - vor einem Monat musste ja eine gesprengt werden.
lg kathrin
@Kathrin: Danke für die Glückwünsche. :-) In Graz gibt es ja anscheinend noch einige Altlasten, unglaublich was alles im "Untergrund" schlummert. Wir hatten in Salzburg auch einige Sprengungen die letzten Jahre - aber jetzt ist schon länger Ruhe...
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